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Wir 2015-Jubiläums-Schweizerinnen und Schweizer, 1. August-Ansprache Wohlen 2015

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Liebe Wohlerinnen und Wohler, liebe Gäste, liebe Festgemeinde,

Ich freue mich, mit Ihnen in Wohlen den ersten August feiern zu dürfen und danke herzlich für die Einladung. 724 Jahre Schweizerische Eidgenossenschaft! Das ist schon toll! Eine so lange Zeit! Da sind wir stolz und freuen uns! Wir jubilieren.

Jubilieren ist ein lateinisches Wort. Es bedeutet jauchzen, jodeln, jubeln. Jubiläen sind Jubeljahre. Manche sehen in Jubiläen Jahrfeiern, die nicht jährlich gefeiert werden, sondern nur in grösseren Abständen, zum Beispiel nach 25, 50 oder 100 Jahren.
Doch brauchen viele das Wort auch für eine jährliche Feier, zum Beispiel einen Geburtstag. So gibt es immer mehr Jubiläen. Der 1. August wäre eines von ihnen. Von solchen Festen und uns Schweizerinnen und Schweizer im Jubiläumsjahr 2015 will ich heute zu Ihnen sprechen.

1. Augustfeiern gibt es erst seit 1891. Die 1. August-Abzeichen von Pro Patria hat man erstmals 1923 kaufen können. Dieses Jahr 2015 kann man das Schweizerkreuz auf dem Abzeichen über die Wörter Schweiz, Swiss, Svizzera, Svizra schieben. Das Abzeichen steht für die kulturelle Vielfalt der Schweiz.

Als CVP-Nationalrätin freut mich das besonders. Ich fühle mich der Kultur verbunden. Das C in CVP steht nämlich auch für Kultur, französisch: culture, cultura auf Italienisch oder Romanisch. Das Christliche, wie es das C abkürzt, gehört zur Kultur unseres Landes, zu seiner Verfassung und Zivilisation, zu einer Schweiz, die alle Menschen hier einbezieht und miteinander verbindet, zu einer Schweiz, welche die Würde der Menschen, der Natur und der Welt achtet. Solche Achtung ist Kultur. Kultur zeigt sich nämlich unter anderem in der Vorstellung, dass der Wert von allem Diesseitigen sich dem Divinum verdankt, dem Göttlichen. Ein Humanum ohne Divinum ist undenkbar.

Wie könnten wir die Zeit verstehen, wie die Jubiläen, ohne die Vorstellung vom Divinum, ohne den Gedanken, es gebe Dauer, Wiederkehr und Leben? Der diesjährige 1. August ist sicher unter anderem die Wiederkehr eines tollen und heissen Sommers wie 2003. Vielleicht haben wir ja dieses Jahr gar einen Jahrhundertsommer. Das ist ein Geschenk. Ein Geschenk, das uns viel Freude geschenkt hat.

Als Schweizerinnen und Schweizer hören wir dieses Jahr von vielen weiteren Jubiläen. Sie habe alle mit dem Jahre 2015 zu tun.
Die Jubiläen waren Anlass zu grossartigen Feiern, die weit über Nullachtfünfzehn-Feiern hinausgehen.
Ich durfte zum Beispiel am der Feier für die Schlacht von Morgarten im Jahre 1315 teilnehmen, als die junge Eidgenossenschaft sich in einem zum Mythos gewordenen Kampf behauptet hat.

Niklaus von Flüe hat die Eidgenossen daran erinnert: „Macht den Zaun nicht zu weit!“ Macht keine Grossmachts- und Kriegspolitik! Mischt Euch nicht in fremde Händel ein! Die Niederlage von Marigniano im Jahre 1515 hat seiner Mahnung Nachdruck gegeben. So ist es gut, dass wir dieses Jahr auch dieses Jubiläum feiern.
Wir gehören zu Europa, wir gehören zur Welt. Was dort geschieht, betrifft auch uns. Was in Syrien, Eritrea oder Libyen geschieht, geht uns etwas an. Aber wir dürfen nicht meinen, wir könnten die Probleme dort lösen, indem wir mit Hellebarden und Schwertern ausziehen.

1415 sodann – da haben die Eidgenossen den Aargau erobert. Wohlen wurde damals Teil der Freien Ämter. In den Freien Ämtern regierte alle zwei Jahre ein Landvogt eines anderen eidgenössischen Ortes.
Ich fühle mich als Birmenstorferin mit Wohlen verbunden. Birmenstorf, das Wildsauland, wie es heisst, weil wir Birmenstorferinnen und Birmenstorfer etwas wild sind, kam damals zu den Gemeinen Herrschaften.

1415 liegt weit zurück. Und doch haben die Ereignisse von damals Auswirkungen bis heute. Die Bedeutung der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen wird allgemein unterschätzt und wird uns in diesem Jubiläumsjahr ins Bewusstsein gerufen. Es war eine Strafaktion gegen die Habsburger im Auftrag von König Sigismund. Seither gehören wir – damals als Gemeine Herrschaften – zur Eidgenossenschaft.

Das was seither geschehen ist, spielt natürlich auch mit.
Es gäbe den Aargau nicht, wenn das Gebiet hier nicht Napoleon 1798 erobert hätte. Der Wiener Kongress im Jahre 1815, einem weiteren Jubiläumsjahr, den 1803 geschaffenen Kanton Aargau belassen und der Schweiz Anerkennung gegeben.

Für die Kultur und Geschichte unseres Landes spielt die Nähe zu Frankreich immer wieder eine wichtige Rolle. Deshalb wäre es auch gut, an ein jenseits des Röstigrabens etwas vergessenes Jubiläum zu erinnern, nämlich das Jahr 515.
515 hat der Burgunderkönig Sigismund in St-Maurice im Wallis ein Kloster neu begründet. Der burgundische Einfluss hat sich bis in unser Gebiet erstreckt. Es ist ein Einfluss, den man mit der lateinischen Kultur gleichsetzen kann.

Im alemannischen Wort Wohlen steckt die Bezeichnung „bei den Welschen, bei den Romanen“. So passt es, dass wir uns heute am 1. August als Jubiläums-Schweizerinnen und –Schweizer auch an das Jubiläum von 515 erinnern, ein Jahr lange vor 1291.
Damals gab es die Eidgenossenschaft noch nicht, aber als die Eidgenossenschaft dann existierte, spielte das Burgundische noch immer eine wichtige Rolle. So gab es zum Beispiel eine Burgundische Eidgenossenschaft, in der Bern führend gewesen ist.

Jubiläen halten Geschichte lebendig.
Wir leben nicht in der Geschichte, aber die Geschichte hat Auswirkungen. Die Vielfalt der Schweiz ist nicht zu verstehen ohne den Blick auf die Geschichte.

Die Schweiz als Willensnation hat es trotz oder dank Ihrer Geschichte, der unterschiedlichen Regionen, der verschiedenen Sprachen und Kulturen geschafft, als Eidgenossenschaft zu funktionieren.

Es gibt verschiedene Sichten auf unsere Geschichte und es gibt verschiedene Sichten auf die Zukunft.
Die Gestaltung der Zukunft liegt in unserer Hand.
In der direkten Demokratie gestaltet jeder und jede unsere Zukunft mit. Wir sind der Staat. Daran müssen wir denken, wenn der Staat kritisiert und in Frage gestellt wird.

Ich bin stolz auf unseren Staat, auf unser Land, auf die Schweiz.

Wir haben das Glück im Wohlstand zu leben mit Vollbeschäftigung, guter Lebensqualität und intakten Landschaften. Das ist das Resultat von harter Arbeit sowie einer guten, verlässlichen und pragmatischer Politik. Faktoren wie Solidarität und Gemeinsinn, direkte Demokratie, liberale Wirtschaftsordnung, Freiheit der Bürgerinnen und Bürger, Selbstverantwortung, Föderalismus, ausgezeichnete Bildung haben die Schweiz von einem der ärmsten Agrarstaaten zu einem der reichsten und attraktivsten Länder der Welt gemacht.

Wir alle stehen als Staatsbürgerin und Staatsbürger in der Verantwortung uns einzusetzen, dass die Schweiz ein Erfolgsmodell bleibt.
Stehen wir zu unserer Kultur. Stehen wir ein für eine Politik, die geprägt ist von Verantwortung, Respekt und Kompromissbereitschaft. Gehen wir verantwortungsbewusst und sorgsam um mit unseren Volksrechten um. Suchen wir den fairen Ausgleich zwischen Freiheit und Sicherheit, Rechten und Pflichten, Eigenverantwortung und Solidarität, zwischen direkter Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Heute feiern wir wie auch diese schweizerischen Werte und die Einheit in der Vielfalt, eine Vielfalt die auch den Aargau prägt.

Von Birmenstorf nach Wohlen ist es nicht weit. Und doch ist hier alles anders als in meinem Dorf. Eine Stadt will Wohlen – einst Chly Paris genannt – zwar nicht sein. Aber sie hat doch etwas fünf Mal mehr Einwohner. Strohindustrie hat es bei uns nicht gegeben. Eine Moschee gibt es noch nicht. Industrie haben wir weniger.
Zum Aargau und zur Schweiz gehören wir beide. Bei uns in Birmenstorf, wo es eine katholische und eine reformierte Kirche gibt, feiert man bei der reformierten Kirchen. Dort kann man über das Dorf sehen und nicht zuletzt in die schönen Rebberge. Wir Birmenstorfer trinken gerne ein Glas Wein. Ich freue mich darauf, auch mit Ihnen anstossen zu dürfen, auf unsere Jubiläen, auf unser Leben in der schönen Schweiz!

 

 

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